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Aktuelles

 
Vor Kurzem wurde dem Hof der Ehrenpreis des Naturschutzbund verliehen
Wir bedanken und von Herzen für diese tolle Auszeichnung

Der Ehrendistelfink

Beinahe zwei Jahrzehnte ist es nun her als der Grundstein für Umweltbildung und die Erhaltung vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen begann: Ein Aussiedlerhof am Ortsrand von Hilpoltstein wurde im Jahre 2002 erworben, um ihn als Großfamilienprojekt wiederzubeleben. Die ersten Tiere die einzogen, waren Hasen, die die Tochter zum Geburtstag geschenkt bekam, kurz darauf kamen ein paar Hühner und ein Gockel. Es folgten ein paar Schafe mit denen zunächst eine kleine Fläche in Heideck beweidet wurde und zum 50. Geburtstag der Mama kam ein Wollschweineber nebst passender Sau dazu, sodass es nicht lange bei den beiden Tieren blieb.
 
So idyllisch das nun alles klingen mag, war es anfangs alles andere als einfach. Viel Missgunst von verschiedenen Seiten prasselte auf die Familie ein, die stets standhaft blieb und nicht aufgab. Im Gegenteil: 2004 bereits stand das erste Konzept für einen Lernort „Offener Hof“ und „Lernen mit allen Sinnen“. „Vielfalt statt Einfalt“ gehörte ebenso zum Motto, wie „Essen wächst nicht im Supermarkt“. Hier wurde Pionierarbeit in Sachen Umweltbildung geleistet. Heute kennt man sie, die Erlebnisbauernhöfe, wie den Harrerhof in Liebenstadt, doch damals waren sie komplettes Neuland. Bis heute verbindet die beiden Höfe eine innige Freundschaft, da man sich damals bei den Fortbildungsmodulen zum Erlebnisbauernhof am Amt für Landwirtschaft kennenlernte. Zur erfolgreichen Absolvierung des Moduls gehörte auch eine Abschlussarbeit – eine Gruppe sollte auf dem Hof zu Besuch sein und dort durch ein Programm geleitet werden, das verschiedenste Lernerfahrungen ermöglicht. Nun könnte man denken, naja da nimmt man eine Kindergartengruppe, denn junge Kinder lassen sich ja bekanntlich für alles begeistern. Doch der Hof wäre nicht heute noch da wo er jetzt ist, wenn man nicht schon immer die Herausforderungen angenommen hätte, die das Leben so mit sich bringt. Somit war die Wahl auf eine Seniorengruppe aus der gerontopsychologischen Abteilung gefallen, deren Betreuer zunächst sehr skeptisch waren. Doch auf dem Hof angekommen, löste der Kontakt mit der Natur und den Tieren bei den Senioren eine komplette Verwandlung aus. Erinnerungen wurden wachgerüttelt, stumm geglaubte Senioren begannen zu sprechen, Tränen flossen, es wurde gelacht, gewerkelt und einfach der Tag genossen. All diese emotionalen Begegnungen auf dem Hof veränderten das noch folgende Leben der Senioren nachhaltig. Sodass völlig klar war, die Entwicklung des Hofes in Richtung Bauernhofpädagogik muss - allen Neidern zum Trotz - weitergehen.
 
Durch Mundpropaganda kamen im Jahre 2005 die erste Kindergartengruppe aus Kiliansdorf und andere Gruppen aus dem Rother Umland, um auf dem Hof Umweltbildung zu erfahren und an die Eltern weiterzugeben.
 
In der Aufbauphase von 2004/05 bis 2012 wurden diverse Biomessen und Ausstellungen besucht, um das bisherige Wissen über alte Pflanzensorten und Tierrassen an andere weiterzugeben und sich auszutauschen. Die eigens angebauten bunten Kartoffeln wurden vermarktet, Kontakte zu anderen Höfen, die ähnliche Ideen hatten, geknüpft, ein Lieferservice und eine Verkaufsvernetzung aufgebaut, sodass der Hof  im Großraum Nürnberg, Ingolstadt und München bekannter war als in Hilpoltstein selbst.
 
Doch das sollte sich bald ändern. Der Blauzungenkrankheit war es geschuldet, dass der ursprüngliche Schäfer des Ritterfestes seine Schafe nicht mitbringen durfte und daher die Schafe des Hofes zunächst als erstes auf dem Feste vertreten waren. Jahre danach kam der Schäfer nicht mehr und es ergab sich die Möglichkeit seinen Platz zu übernehmen. Man begann mit der Vermarktung der eigenen Produkte, von Fellen über Fleisch und Salzen, doch das blieb unrentabel, sodass man sich in Zusammenarbeit mit der Stadt Hilpoltstein entschied ein pädagogisches Programm rund um das Schaf auf dem Ritterfest anzubieten, so wie man es heute noch kennt, mit z.B. der Vermittlung von alten Handwerkstechniken, wie dem Spinnen, der Wollfettgewinnung oder dem Filzen.
 
Dann kam auch schnell der Weihnachtsmarkt mit der Hirtenweihnacht dazu und das erste Weihnachten im Stall fand auf dem Hof statt. Nach und nach kam Hilpoltstein immer mehr auf den Hof zu und dieser öffnete seine Türen und Toren für die Bildungsarbeit. Die Hilpoltsteiner Kindergärten, das Gymnasium und die Realschule kamen an festen Zeitpunkten im Jahr zu bestimmten Umweltthemen. Bis 2016 wurden die schulischen Kontakte und Angebote stets erweitert und alles schien perfekt.
 
Doch dann holte die Familie ein schwerer Schicksalsschlag ein und der Hof stand vor der Entscheidung: aufhören oder weitermachen und wenn ja, wie?
 
Eine neue Idee wurde geboren: Die 9 Hektar Landwirtschaft sollten in der Gemeinschaft aus verschiedenen Familien weitergeführt werden mit der obersten Prämisse, dass die Pädagogik als Botschaft nach außen erhalten bleiben muss, damit die Menschen wieder ein Gefühl für Umwelt, ein Gefühl für Lebensmittel und eine andere Einstellung zur Natur entwickeln. Das Probejahr war geschafft und man war sich sicher, beides kann nur im Einklang funktionieren: Landwirtschaft und Pädagogik.
 
2017 wurde der Verein „LernFelder e.V.“ gegründet, der die Erweiterung der Pädagogik ermöglichte und somit z.B. die Montessori Schule Büchenbach ihren Erdkinderplan auf dem Hof verwirklichen konnte.
 
Seit 2021 ist der Verein nun gemeinnützig und wenn alles so läuft wie geplant, wird der ganze Hof vom Verein weitergeführt werden und seine Zukunft somit gesichert sein.
 
Eine Zukunft, in der es um Wiederverwendung, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft geht und Highlights wie „Weihnachten im Stall“ und eine Kartoffelernte mit anständigem Kartoffelfeuer einfach dazu gehören, sowie ein ganzheitliches Arbeiten der Gruppen am Hof – von der Tierversorgung über die Hofversorgung bis hin zur Versorgung der Menschen mit einem gemeinsam zubereiteten Mahl aus den Produkten, die der Hof gerade zu bieten hat.
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